Was bringt Fitness für Amateure im Golfsport ?

     

Rory-McIlroy macht es vor: Ohne Fitness kein Golfschwung © nike

Rory-McIlroy macht es vor: Ohne Fitness kein Golfschwung © nike

In Frankfurt fand am 6. und 7. Februar 2016 der Erste Golf-Fitness-Summet statt. Über 100 Experten diskutierten über die neuesten Trainingserkenntnisse aus sportwissenschaftlicher Perspektive.

Wandel bei den Amateurgolfern

Die üblichen Golfklischees stimmen schon lange nicht mehr. Der „Spaziergang mit Hindernissen“ ist mittlerweile längst zum Breitensport avanciert und mitunter günstiger zu haben, als ausgesuchte Fitness Clubs. Auch Karohosen und Knickerbocker sieht man eigentlich nur noch im Retro-Look. Aber an einer Frage scheiden sich nach wie vor die Geister, die schon fast philosophischer Natur ist: Ist Golf eher als ein Spiel oder doch als ein Sport zu verstehen?

Fitness wird groß geschrieben im Profigolf

Fakt ist, dass sich im Profisport zunehmend der athletische Typ durchsetzt. In den späten 1990ern revolutionierte Tiger Woods mit seiner einzigartigen Dynamik die Golfwelt. Seit dem zogen viele Profis nach. Mit Personal Coaches und ausgeklügelten Fitness-Plänen wurden die Drives länger. Im April 2015 zierte sogar ein Golfprofi das Cover der Men´s Health: Rory McIllroy hat sich vom einstigen eher „weichen“ Typ zum Vorzeige-Athleten gemausert. Mehrmals wöchentlich stemmt McIllroy dafür Gewichte. GolfWomen stellte in der Juli-Ausgabe 2015 das Fitness-Training des erfolgreichen Profispielers vor.

Rory McIlroy beim Hanteltraining © nike

Rory McIlroy beim Hanteltraining © nike

Doch inwieweit ist Landhanteltraining für den Golfschwung wirklich sinnvoll? Können auch im höheren Alter noch Muskeln aufgebaut werden? Wie wichtig sind Stabilität und Beweglichkeit für eine höhere Schwungpräzision? Diesen und weiteren Fragen widmete sich der Erste Golf-Fitness-Summit Anfang Februar in Frankfurt, organisiert von Fabian Bünker (Landestrainer GVNB e.V.) und Martin Zawieja (ehemaliger Gewichtheber und Olympia-Bronze-Medaillengewinner; Dozent an der Trainerakademie Köln).

Ansturm auf den Ersten Golf-Fitness-Summit

Der Summit war mit rund 150 Teilnehmern – trotz des Karneval-Wochenendes – ausverkauft. Golftrainer, Physio-Coaches, Sportwissenschaftler, Mediziner, Personaltrainer und Fitness-interessierte Amateure hörten aufmerksam den 15 Referenten zu. Bei den Vorträgen ging es um sämtliche Facetten des Golf-Fitness Bereiches: Kraft, Kognition, Koordination, Kondition, langfristiger Leistungsaufbau, Krafttraining mit Kindern, Leistungsdiagnostik, etc.

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Martin Zawieja (li.) und Fabian Bünker (re.)

Getreu dem Motto: „The Future is now“ plädieren die Experten Bünker und Zawieja dafür, die Zusammenarbeit zwischen Golf- und Fitnesstrainern im Golf-Athletiktraining zu stärken. Denn wo die Arbeit am Schwung des Golfcoachs aufhört, fängt die Arbeit des Fitnesstrainers (oder in einigen Fällen auch Physiotherapeuten) an, wie Fabian Bünker zur Eröffnung des Golf-Fitness-Summits verkündete. Sinnvoll wäre, wenn jeder Golfer – ganz egal welcher Leistungsstärke – wüsste, welche Muskeln wofür zuständig sind und wie diese effektiv trainiert werden können. So muss es nicht immer ein Training mit Hanteln oder anderem Fitnessequipment sein. Simple Kräftigungs-, Koordinations- und Kraftübungen können und sollten sogar mittels einfacher Dinge wie z.B. einer Blackroll in den Alltag eingebaut werden.

Internationaler Touch mit dem Coach von Annika Sörenstam

Highlight des Wochenendes war unter anderem der Vortrag von Kai Fusser. Der gebürtige Deutsche ging vor 30 Jahren nach Orlando, um dort mit den weltbesten Spitzensportlern zusammen zu arbeiten. Er coachte keine Geringere, als Ausnahmegolferin Annika Sörenstam. Nachdem die damals Weltranglistenerste von November 2001 bis April 2002 intensiv mit Fusser zusammengearbeitet hat, wurden innerhalb von lediglich sechs Monaten ihre Drives um 20 Meter länger und sie gewann in der Folgesaison 2002 18 von 25 gespielten Turnieren. Fusser betont Sörenstams Trainingseifer. Talent gepaart mit dem Willen zur Perfektion. So trainierte Sörenstam Klimmzüge mit einem Zusatzgewicht von 25 Pfund, Kniebeugen mit einer Langhantel von 140 kg und Curls mit 23 kg. Die Botschaft von Fusser wurde deutlich: Fitness bringt einen technisch saubereren Bewegungsablauf, mehr Kraft, mehr Geschwindigkeit und Balance. „Man muss den Körper auf eine lange Fitness-Karriere vorbereiten“, so Fussers Credo.

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Annika Sörenstam im Interview auf der PGA Merchandise Show in Orlando, FL

Wichtig seien dabei die Prinzipien von Ladung und Entladung. Im Rückschwung des Golfschwungs lädt sich der Körper mit Spannung auf. Gleich einer Sprungfeder dreht sich der Golfer ein seinen Rückschwung rein und baut Energie auf, die es dann im Durchschwung bei Kraftübertragung auf den Ball zu entladen gilt. Diese Energieabgabe gleich eines Ballwurfs ist eine sehr gute Übung für den Golfschwung. Der perfekte Schwung ist der, den wir nicht spüren, da sich alles um das Zentrum unserer Achse verteilt.

Im Spitzensportbereich wird schon lange diskutiert, ob ein sportartspezifisches Training für eine effektivere Leistungssteigerung zwingend notwendig sei. Mit anderen Worten: müssen sich Golfspieler grundlegend anders fit halten, als beispielsweise Tennisspieler oder Weightboarder? Fussers Antwort ist klar: Nein! Seiner Meinung nach, wird sportartspezifisches Training überbewertet; man müsse einfach fit sein!

Der Golf-Fitness-Summit brachte auch klare Aussagen bezüglich des Krafttrainings und räumte mit ein paar Mythen auf: So sei – laut Christian Thomas (Trainerakademie Köln) – für Kinder das goldene Lernzeitalter 9-12 Jahre. Besonderer Fokus ist dabei auf die Qualität des Bewegungsablaufs zu legen. Erst, wenn ein Besenstil gleich einer  Langhantel technisch korrekt nah am Körper entlang geführt wird, darf das Gewicht erhöht werden. Und auch im hohen Alter ist Krafttraining zum Muskelaufbau sinnvoll. Es ist also nie zu spät noch was für seine Fitness zu tun!

Golfspezifische Übungen für Rory McIlroy © nike

Golfspezifische Übungen für Rory McIlroy © nike

Deutlich wurde auch die Relevanz der Signalverarbeitung im zentralen Nervensystem. Ein trainierter Geist kann den eigenen Körper besser ansteuern und neue Bewegungsmuster sauberer umsetzen und sich auch auf Veränderungen in der Umgebung schneller einstellen. Golfer sind während der Runde bedingt durch die Natur immer wieder unvorhersehbaren Veränderungen und Ablenkungen ausgesetzt: seien es Schattenspiele, Regenunterbrechung, starker Break-Putt, ungewöhnliche Geräuschkulisse, etc. Ein Sportler muss nicht nur fit sein, sondern sich auch schnell auf neue Spielsituationen einstellen können.

Wir haben also gelernt: egal, wie alt oder jung man ist: eine bessere Fitness dient immer der Leistungssteigerung. Der nächste Golf-Fitness-Summit wird erst in zwei Jahren ausgerichtet werden. Bis dahin kann im Bereich der Leistungsdiagnostik noch viel gemessen werden, um vielleicht DIE Methode zu finden, wie ein jeder noch schneller besser und athletischer werden kann. Deutlich wurde auch auf dem Summit, dass der Spaß nicht zu kurz kommen darf. Und Bewegung bringt Spaß – vielleicht findet man dann neben dem Golfplatz noch Zeit für ein wenig Zusatztraining, um dann noch mehr Spaß an tollen Schlägen auf dem Golfplatz zu haben.

Der 2. Golf- Fitness- Summit wird am 13./14. Januar 2018 wieder in Frankfurt stattfinden.
Weitere Informationen dazu gibt es unter

Unser Titelbild: © nike

Rory McIlroy beim Hanteltraining © nike

Rory McIlroy beim Hanteltraining © nike

 

 

 
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