Golfregeln 2016

Der Ryder Cup 2022 wird in der Nähe von Rom ausgetragen.

Als in der Adventszeit die Nachricht aus England kam, der Ryder Cup 2022 würde in Italien ausgetragen, war die Enttäuschung in Golf-Deutschland groß. Italien war der Außenseiter, den so gar keiner auf dem Tableau hatte. Die Bewerbung des PGA of Catalunya mit seinem irischen Telekom-Milliardär Denis O’Brien in der Hinterhand – ja!

Aber ausgerechnet einen verträumten Parkland-Course am Weichbild Roms? Modezarin Laura Biagotti, bzw. Mutter Laura und Tochter Lavinia Biagotti wiegen sicherlich schwer in der Gesellschaft der Ewigen Stadt, aber reicht das aus eine gut sechsmal so große nationale Golf-Gemeinde wie die deutsche aufzuwiegen? Offenbar ja, denn die Biagottis sind Mäzene des Golfsports, wohnen in einem Schloss inmitten des Golfparks und die tun sich allemal leichter, Geld locker zu machen, kostspielige Entscheidungen zu treffen. Keine Abstimmungen, keine Beschlüsse, keine Verantwortung gegenüber Dritten. Geld regiert eben die (Golf)Welt. In der Erklärung des Deutschen Golfverbands muss man zwischen den Zeilen lesen: „Die deutsche Bewerbung ist in enger Absprache mit allen Beteiligten bis an die Grenze dessen gegangen, was vernünftiger Weise in der aktuellen Situation darstellbar war.“

Italiens knapp 90.000 Golfer hatten es bisher großartig verstanden, unter sich zu bleiben. Zu vielen der nur 250 Golfplätzen findet der auswärtige Golfer nur, wenn er Geo-codierte Koordinaten in sein Navigationsgerät eingibt, Hinweisschilder: Fehlanzeige! Italiens Golfelite will unter sich bleiben. Während die Herren sonntags eine gemächliche Golfrunde spielen, nach neun Löchern erst einmal eine Flasche Wein kredenzen lassen und ausgiebig zu Mittag essen, sonnen sich derweil die Damen mit Bräunungs-Reflektoren ausgestattet am Club eigenen Swimmingpool. Vorurteile? Keineswegs: Der Autor beobachtete derlei Golfbegeisterung selbst auf vielen Anlagen in der Emilia Romagna.

Das soll aber kein unsportliches Nachtreten sein, sondern ein Versuch, eine Golfnation zu beschreiben, die Europa auf der internationalen Bühne des Ryder Cup repräsentieren soll. Schwer vorstellbar, dass aus lockeren Lunch-Golfern und Sonnenanbetern in sieben Jahren frenetisch jubelnde Fans werden, die morgens um sechs Uhr auf dem Grand Stand des RC-Platzes Fangesänge einüben und diese lautstark zum Besten geben, wenn ihre Heroen auflaufen. So gesehen und gehört im Heimatland des Golf in Gleneagles 2014. Gänsehaut pur und schwer zu toppen!

Natürlich bleiben wir Deutschen jetzt den Beweis schuldig, zu welcher Fankultur wir in der Lage gewesen wären. Gezwungenermaßen. Bad Saarow und der Deutsche Golfverband stehen nun nicht mehr auf dem Prüfstand, jeden Tag 40.000 Fans zu mobilisieren und vor allem mit dieser logistischen Herausforderung weit im Osten der Hauptstadt fertig werden zu müssen.

Dennoch klingt es wie Balsam in den Ohren, wenn der Deutsche Golfverband aus dieser Niederlage die Kraft ziehen will, den Golfsport im Lande voran zu bringen und die Unterstützung der Politik nutzen kann, Golf zu dem zu machen, was er in angelsächsischen Ländern längst ist – ein Volkssport. Bis dahin: Forza Italia! Aber ihr italienischen Golfer müsst aus Euren Enklaven heraus kommen und den europäischen Golfsport repräsentieren.

Ich bin sicher, dass die deutsche Italienità unter den Golffans ausreicht, über den Tellerrand hinaus zu blicken und im Herbst 2022 statt oder nach einem Wein-Ausflug in die Toskana nach Rom zu pilgern und die Begeisterung mitzubringen, die wir auch in Berlin gehabt hätten. Gelegenheit dazu wird es schon i Vorfeld des Ryder Cup genügend geben. Italien hat sich dazu verpflichtet in den nächsten zehn Jahren große Golfturniere auszurichten mit Gesamtpreisgeldern von gut zehn Millionen Euro. Woher das Geld stammt? Unklar!

 

 
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