Reisen sind spannend, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt, einmal die Welt neben den für viele so wichtigen 18 Löchern zu betrachten. Man begegnet unterwegs den außergewöhnlichsten Menschen. So wie der 94jährigen Fischnetzknüpferin aus Caorle, dem Mann, der über sechs Jahre Ernest Hemingway in der Lagune von Caorle (Oberitalien) begleitete oder dem Auktionator der Flüsterversteigerung am hiesigen Fischmarkt. Geschichten von Menschen aus Caorle – kommen Sie mit auf eine Reise der Begegnungen.

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Maria Pramparo – die Fischnetzknüpferin

Der Fischfang ist ihr Leben: Unglaubliche 71 Jahre sind es nun schon, dass Maria Fischernetze herstellt und repariert. 94 Jahre ist die kleine schmale Frau mit dem verschmitzten Lächeln inzwischen alt und noch immer ist sie Tag für Tag in ihrem Laden in einer Gewerbehalle am Rande von Caorle am Werk. Ob es Netze für den Fischfang auf hoher See sind, dreilagige Netze für Tintenfische und Kraken, die sogenannten „trimaglie“, oder „bartoele“, Netzfallen für die Aale aus der Lagune, oder gar Hängematten für den Garten – Maria kennt sich mit allem aus wie keine andere. Und um weiter so fit zu bleiben, fährt Maria zweimal pro Tag mit dem Rad zur Arbeit und nach Hause, denn das Mittagessen im Kreise der Familie lässt sie sich nicht entgehen.

Renzo Dorigo – Fischflüsterei à la Caorle

Kein Mann lauter Worte: Renzo Dorigo. Foto: Comune di Caorle

Auf dem Fischmarkt von Caorle lebt bis heute die Tradition der „Flüsterversteigerung“. Renzo Dorigo, 60 Jahre, war 28 Jahre Fischversteigerer. Jeden Nachmittag versammeln sich Restaurantbesitzer und Händler am Fischmarkt um den Auktionator und flüstern ihm die Angebote für die fangfrische Ware direkt ins Ohr. Die hohe Kunst ist es, sich zu merken, wer welches Angebot abgegeben hat, wer noch einmal nachgelegt oder sich beim Flüstern womöglich einen üblen Scherz erlaubt hat. Denn in Renzos Laufbahn kam es durchaus vor, dass anstelle eines echten ein eher unmoralisches Angebots ans Ohr des Versteigerers drang. Doch Renzo ließ sich davon weder beeindrucken noch beirren – in solch einem Fall war Pokerface angesagt – und das beherrscht der smarte 60-Jährige bis heute perfekt.

Tarsillo Veronese – der Junge und Hemingway

Tasillo Veronese: Ging mit Hemingway zur Jagd. Foto: Comune di Caorle

Es war der 14. November 1948, als es dem damals 15-jährigen Tarsillo Veronese die Sprache verschlug. Er verdingte sich seinerzeit „Junge für alles“ in der Villa der Barone Franchetti in San Gaetano und war nun fortan dem berühmten Schriftsteller Ernest Hemingway zu Diensten. Wenn immer Hemingway, ein leidenschaftlicher Jäger, in den Jahren 1948 bis 1953 in sein geliebtes Caorle kam, dessen bezaubernder Umgebung er in seinem Werk „Über den Fluss und in die Wälder“ die Anfangs- und Schlussseiten seines Romans widmete.
Tarsillo half dem Schriftsteller nach der Jagd aus seinen langen Stiefeln und bereitete ihm ein Fußbad. Sie plauderten – Hemingway in perfektem Italienisch – über Gott und die Welt, nur seinen geliebten Whisky, den teilte der große Romancier mit dem Burschen nicht – mit nur 15 Jahren sicher auch besser so.

Luigino Marchesan – ein Leben im Casone

Seit 69 Jahren Fischer: Luigino Marchesan: Foto: Comune di Caorle

Der heute 77jährige Caorlotto Luigino Marchesan ist auf den Booten in der Lagune und auf dem Meer zuhause – und das seit seinem achten Lebensjahr. Gelernt hat er den Fischfang auf den traditionellen Fischerbooten, den Bragozzi, die seinerzeit noch als Segelboote unterwegs waren.
Luiginos Eltern besaßen ein Casone, eines jener typischen schilfbedeckten Fischerhäuser, die es noch heute in der Lagune von Caorle gibt. Hier führte die Familie im Sommer ein karges Leben. Nachts fuhren die Männer zum Fischen hinaus und wenn sie mt ihrem Fang zurückkehrten, gingen ihnen die Frauen zur Hand. Der lebende Fang wurde auf dem Fischmarkt verkauft. Während die Eltern dem Broterwerb nachgingen, blieben die Kinder bei den Großeltern. Wer jedoch keine Großeltern mehr hatte, verbrachte die Monate ebenfalls im Casone – so wie Luigino. Denn der Fischfang ging und geht in Caorle immer vor!

Fernando Bortolussi und die Anfänge des Tourismus

Der Hotelier und Besitzer eins der besten Fischrestaurants der Stadt lebt und arbeitet seit 1958 in und um Caorle. Er erinnert sich an die ersten Touristen aus Deutschland und Österreich, die meist in großen Autobussen über den Brenner kamen: „Einst waren den Touristen die vielen verschiedenen Meeresfrüchte und Muscheln oft unbekannt. Und so konnte es schon mal passieren, dass so manch einer die hiesigen Miesmuscheln nicht richtig zu knacken wusste. Heute lieben Einheimische wie Urlauber die Küche seines nach dem Vater benannten Ristorante Duilio. Und lassen sich von Fernando auch gerne einen leichten Weißwein aus der Region zu den Lagunenspezialitäten empfehlen – denn es muss ja nicht immer Chianti oder Valpolicella sein.

Fernando Bortolussi: Seit 60 Jahren im Tourismus tätig. Foto: Comune di Caorle

www.caorle.eu

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