Probleme auf der PGA-Tour: Golf & Promille

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Als ich zum ersten Mal Besucher eines der wirklich großen Turniere auf amerikanischen Boden war, fielen mir lange Schlangen vor einem kleinen Zelt auf. Schauplatz war die Waste Management Phoenix Open, ja das Turnier mit dem orgiastischen Loch 16, dem Amphitheater mit gut 50.000 Zuschauern. Insgesamt kommen hier auf dem TPC Scottsdale in einer Turnierwoche schlappe 500.000 Besucher.

Journalistische Neugierde trieb mich an, der Anstehschlange auf den Grund zu gehen. Es gab nichts umsonst, es gab in dem winzigen Zelt nur Bänder fürs Handgelenk. Ein Sheriff im Zelt überprüfte die Volljährigkeit an Hand des Führerscheins und kennzeichnete die Überprüften mit einem bunten Band am Handgelenk. Hä?

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Bier auf Eis: Rundenverpflegung auf amerikanisch. Hier auf einem ProAm auf Jamaika, das bei US-Spielern sehr beliebt ist. Foto: CB

Dazu muss man wissen, dass in den USA Alkohol strikt nur an Volljährige verkauft werden darf. Ach so? Ab dann sind die so ausgewiesenen überwiegend männlichen Zeitgenossen beinahe ausschließlich an Alkohol-Verkaufsstellen zu finden – und anschließend stark angeheitert.

Warum ich das erzähle? Weil die PGA derzeit intensiv über stark alkoholisierte Golf-Zuschauer diskutiert und deren Fehlverhalten auf dem Golfplatz. Europäische Stars wie Rory McIlroy kritisierte unlängst die lautstarken Zwischenrufe alkoholisierter Fans. Tiger Woods wiegelte ab: Wenn sie ihm nicht in den Schlag plärrten, sei es ihm egal. Faktum ist, dass gerade die großen Turniere mit ihrem beinahe allerorts verfügbaren Alkohol ein guter Nährboden für Auswüchse darstellen.

Interessanterweise herrschen auf der britischen Insel ganz andere Sitten bei Turnieren. Hier wird nicht sinnlos geplärrt, keine Schmähgesänge auf ausländische Golfer abgelassen. Die Disziplin der sehr golfaffinen Fans ist vorbildlich. Beim letzten Golf-Großereignis auf europäischem Boden, beim Ryder Cup im schottischen  Gleneagles stimmten die Fans Loblieder auf ihre Helden schon im Morgengrauen an, beklatschten aber auch höflich die Gegner, die US-Boys. Von Alkoholexzessen keine Spur – und das, obwohl die Schotten keinem Kaltgetränk aus dem Wege gehen. Sportsmanship eben!

Tiger Woods: Gelungenes Come Back

HERO WOLRD CHALLENGE: MATSUYAMA GEWINNT, WOODS AUF PLATZ 15

Mit einem 15. Platz bei der Hero World Championship beendete Tiger Woods seine spielfreie Zeit und stand nach längerer Verletzungspause wieder am Abschlag. Sein zuvor geplantes Come Back bei der Safeway Open musste er kurzfristig absagen. Die Hero World Challenge hat er fünfmal gewonnen, zuletzt 2011. Dieses Jahr musste er mit sieben Schläge Rückstand auf den Führenden verzeichnen. Der Japaner Hideki Matsuyama gewinnt das Turnier mit zwei Schlägen Vorsprung vor Hendrik Stenson.

Die Hero World Challenge ist ein Einladungsturnier der Tiger Woods Stiftung. Deshalb durfte Tiger Woods dem Japaner Matsuyama am Ende zum Sieg gratulieren. Seit 1999 wird dieses Turnier ausgetragen und seit 2008 nehmen 18 Spieler daran teil. 11 der Spieler kommen aus der aktuellen Weltrangliste (sofern verfügbar), es sind die vier Major-Sieger des jeweiligen Jahres und der Vorjahressieger am Start und zwei Spieler werden von der Tiger Woods Foundation benannt. Der Erlös des Turniers geht an die Tiger Woods Stiftung. Namenssponsor ist seit 2014 die Hero MotoCorp und seit 2015 wird das Turnier für die nächsten drei Jahre auf den Bahamas ausgetragen.

Am zweiten Spieltag zeigte Tiger Woods seine alte Stärke mit insgesamt sieben Birdies und einer fehlerfreien 65-er Runde. Kurzzeitig lag er am Samstag sogar auf dem dritten Platz nach vier Birdies.  Doch dann ein Bogey und nach einem weiteren Birdies nur noch Par’s. Und das ist für dieses gutes Spielerfeld zu wenig. Der Doppelbogey an Bahn 18 beendete die Samstagsrunde mit fünf Schlagen über Platzstandard. Am Finaltag gar ein Bogey und ein Doppelbogey an einem Par 5 und dann kam Tiger Woods wieder in Fahrt: Mit drei Birdies machte er den Patzer wieder wett.
Trotzdem fiel es auf, das er an der Bahn 18 bis auf den Freitag Schwierigkeiten hatte. Regelmäßig fiel hier ein Bogey an. Trotz der Doppelbogeys und Bogeys kann Tiger Woods auch für dieses Turnier die meisten Birdies verzeichnen, Turniergewinner hatte nur 22 Birdies. Allerdings auch zwei Eagles, die Tiger Woods dieses Mal nicht gelangen. Er musste sich mit 24 Birdies – den meisten dieser Woche – begnügen. Er führt allerdings auch die Liste mit den meisten Bogeys an, insgesamt sechsmal wollte der Ball nicht in das Loch.

Es ist gut, dass der 79fache Turniersiege auf der PGA-Tour und 14-fache Major-Sieger wieder zurück ist. Er führte 684 Wochen die Weltrangliste an und ist nach 15 Monaten Turnierpause wieder am Start. Sein letzter Sieg liegt noch länger zurück: Es war der Sieg bei der Bridgestone Invitational am 4. August 2013. Denn eines werden die Turniere in nächsten Zeit bleiben: Spannend.

Titelbild: © nike
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