Vom 14. bis 17. Mai 2026 fand im Aronimink Golf Club in Newton Spuare, westlich von Philadelphia zum 108. Mal die PGA Championship statt. Bereits vor 26 Jahren war wurde die PGA Championship hier ausgetragen. Golfplatz-Architekt Gil Hanse hat den Donald-Ross-Platz an Hand historischer Fotos restauriert, das Originalaber weitgehend erhalten – so auch alle 174 Bunker.
Die PGA Championship sind ein lukratives Terrain. Die Gesamtsumme beträgt 22,5 Millionen Dollar, selbst der viertplatzierte bekommt noch 1 Million. Das Sieger-Preisgeld ist 3,7 Millionen Dollar. Selbst der Letzte im Klassement bekommt als Reiseentschädigungimmerhin noch gut 20.000 Dollar. Sie ist nach dem Masters das zweite der vier Majorturniere der amerikanischen Proflliga.
Tag 1: Starker Auftakt der deutschen Spieler – allen voran Martin Kaymer
Die Frage eines Reporters am Rande des Championdinners der PGA Championship in Newton Square im Bundesstaat Pennsylvania brachte den deutschen Profigolfer Martin Kaymer auf die Palme. „Spielt Martin Kaymer, denn überhaupt noch Golf?“
Der 42-jährige Deutsche beantwortete die Frage auf seine Art. Am ersten Tag ging er zwischenzeitlich als Führender ins Clubhaus, schlaggleich mit Scotty Scheffler (-2) und dem zweiten Landsmann im Turnier, Stephan Jäger aus München. Der dritte Deutsche im Bunde, Matti Schmid, rangierte am ersten Tag noch unter den besten 15 desTurniers.
Kaymer, der etwas aus dem europäischen Focus verschwunden ist, nachdem er zur LIVTour gewechselt war, war lange Zeit verletzt und konnte nur sehr eingeschränkt trainieren, geschweige denn spielen. Jetzt aber wolle er wieder angreifen und den Motivationskick dafür lieferte die eingangs erwähnte Journalistenfrage. Ja, ich spiele Golf – und wie!
Im Aronimink GC Nähe Philadelphia in Pennsylvania, trafen sich die Nummer 1 der Welt Scottie Scheffler und die großen Namen des Golfsports. Darunter auch fast die gesamte Prominenz der LIV Tour. Möglicherweise eine Annäherung der abtrünnigen Spieler, weil die Gerüchte um eine gewisse Lustlosigkeit des saudischen Staatsfonds am Golfsport nicht abreißen.
Tag 2: Beschwerde über ungwohnt schweren Platz
Martin Kaymer konnte die Pace der ersten Runde nicht halten. Ihm fehlte ganz offenbar eine erneute provokante Frage eines Journalisten, den Cut allerdings schaffte er und beendete das Turnier auf dem geteilten 35. Platz.
Ebenfalls Matti Schmidt schaffte mit seinem Tagesergebnis von +1 den Cut und konnte am Wochenende weiterspielen. Die beiden ÖsterreicherBernd Wiesberger und Sepp Straka hingegen schossen sich mit ihren Ergebnissen in ein arbeitsfreies Wochenende.
Ganz vorne hingegen machte der 21-jährige Südafrikaner Aldrich Potgieter bei seinem ersten Auftritt bei einem Major mächtig Dampf. Nach eineinhalb Runden lag er mit -5 ganz vorne. Der Führende der Weltrangliste Scottie Scheffler, kam in Runde 2 nicht über eine 71-er-Runde hinaus. Zu schwierig waren für den aktuell besten Spieler im Ranking die Höhenunterschiede des Platzes und die bereits erwähnten 174 Bunker. Der starke Wind tat das Seine dazu, um den Platz nicht leichter zu machen.
Stephan Jäger hielt sich mit seinen -3 zu Beginn der Runde weiter auf einem guten dritten Platz. Rory McIlroy dagegen kämpfte beständig gegen Platz und widrige Winde, mit +2 dümpelte er um den Cut herum, schaffte ihn schlussendlich. Alles in allem erlaubten weder Platz noch Witterung der Golfelite große Sprünge. Jeder kämpfte eher ums Par als um das Birdie. Keine Ausreißversuche, keine Eskapaden. Zwischenzeitlich zeichnete sich sogar ein Cut bei +4 ab.
Die Highsociety der PGA- , der DP- und der LIV-Tour tummelte sich auf den unauffälligen Plätzen. Ausnahme Bryson DeChambeau: Der Weitenjäger sammelte Bogey um Bogey und landete Mitte der zweiten Runde abgeschlagen bei +7 – aussichtslos! Noch schien es das Turnier der weitgehend Namenlosen zu sein, die sonst bei Majors eher nicht auf den vorderen Plätzen auftauchen: Potgieter, Smalley, Gotterup,Theegala, McNealy.
Der Weltranglistenerste Scottie Scheffler betonte bei der Pressekonferenz nach der zweiten Runde, dass weder er noch andere Pros keine so schwierigen, manchmal unspielbaren Fahnenpositionen gewöhnt seien. Gepaart mit superschnellen Grüns (für Spezialisten 12,5 bis 13,5 Stimpmeter standen auf derTabelle) hätten sie bisher nie gespielt. Ein versteckter Vorwurf an dieVerantwortlichen der PGA?
Am Ende von Tag 2 hatte sich dann einer der besten Spieler der Welt mit -3 nach vorne gespielt: Jon Rahm. Der Baske kam endlich bei Stephan Jäger an, der 18 Löcher lang ausschließlich Pars spielte. Mag langweilig klingen, doch angesichts der Schwierigkeiten des Platzes ein blitzsauberes Ergebnis für den Deutschen, der in München-Eichenried groß wurde.
Am Ende lag Rahm wieder bei -1, McIlroy rangierte bei +1, Cut geschafft. Führende waren nach zwei Runden McNealy und Smalley mit -4.
Tag 3: Kein Einsehen, den Platz leichter zu machen
Die PGA-Gewaltigen blieben bei ihrer Strategie, den Pros zu zeigen, wo der Hammer hängt, bzw. die Fahne steht. Nicht gerade unspielbar, aber so fordernd, dass am drittenTages nur rund zwei Dutzend von 156 Profis unter Null lagen. Mal schauen, wer am Sonntagabend die Nase vorn haben wird? Kaum einer der gut 20Clubpros, die sich über Auswahlturniere qualifiziert haben, dürfte dabeisein. In der Schlussphase von Tag 3 blieb das Leaderboard seltsam. Zwar schoss sich JonRahm nach vorn. Schloss aber mit zwei atypischen Bogies und fiel auf Platz zwei zurück. Vorne lagen mit -4 Matti Schmid undAaron Rai. Er machte am Samstag 15 Plätze gut. McIlroy folgte mit -3 auf dem geteilten 2. Platz.
Zum Ende des dritten Tages tummeln sich mit -4 unter auf Platz 1 Spieler wie Jon Rahm, Matti Schmid Aaron Rai, Ludvig Aberg, Nick Taylor, Chris Gotterup und Maverik McNealy. Fortuna hat ihre Gunst in Aronimink auch auf jene Namen verteilt, die sonst nicht so oft in Führungsposition sind. Schefflers zu kurze Putts jedenfalls waren nicht mit dem nötigen Glück ausgestattet. Und das in seiner 156. Woche als amtierende Nummer 1 der Welt. Klassenprimus Scottie Scheffler blieb mit -1 in Wartestellung. Ebenfalls Martin Kaymer lauerte mit -2 auf dem geteilten 13. Platz. Rory McIlroy dagegen kam mit den Umständen gut zurecht.-3 am Ende desTages lies ihm für den Schlusstag alle Optionen offen. Einzig Stephan Jäger konnte nicht an die Leistungen der ersten beiden Tage anknüpfen: mit +4 blieb er abgeschlagen weit hinten.
Die Putt-Geschwindigkeiten erinnerten an die spiegelglatten Masters-Greens frühererZeiten. Ein Antippen genügte, um den Ball quer übers Grün zu befördern. Dazu bestrafte dichtesRough jedes Abweichen vom Fairway.
Diese PGA Championship forderte, wer als Erster mit ungewohnten Umständen zurechtkommt und seine antrainierten Fähigkeiten , die für 99 Prozent der Golfplätze dieser Welt gelten, vergisst, Jon Rahm sprach nach seiner Runde von sehr harten Bedingungen, äußerte aber keine Kritik allerdings am Zustand des Platzes
Tag 4 Heißes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Führung
Der Finaltag begann warm und sommerlich. Die Topspieler hatten sich inStellung gebracht, Rahm bei – 4, McIlroy bei -3, Scheffler bei -1. Dem mit -7 führenden Alex Smalley wurde nur eine kurze Verschnaufpause eingeräumt. Scottie Scheffler nahm als Erster die Verfolgung auf. An Loch zwei lag er vier Schläge hinter dem 78. der Weltrangliste. Die Nummer 1 der selben Rangliste startete die Aufholjagd mit einem Birdie (-2), dann Par an Loch 3. Eine Aufholjagd im Schneckentempo – Goliath gegen David. Smalley konnte erst über zweieinhalb Stunden später ins Rennen eingreifen. Derweil kämpften die Verfolger mit sich und vor allem dem Platz. Hatten sie sich an dieSchwierigkeiten gewöhnt, oder hatte die PGA ein Einsehen mit ihren Spielern? Allesüber die schwierigen Fahnenpositionen schien gesag zu seint. Die besten Golfer der Welt werden sich doch nicht die Blöße geben, sich innerhalb von drei Runden nicht auf dieGemeinheiten des Platzes einstellen zu können – oder? Sie konnten es, wenigstens teilweise. Der Spielgeschwindigkeit waren die langen Konzentrationspausen nicht zuträglich. Im Gegenteil, es staute sich an den Par-3-Löchern regelmäßig. Doch am wärmsten Tag der Woche ließ es sich bei gut 30 Grad Celsius aushalten. Zusammen mit Alex Smalley ging Matti Schmid auf die Runde. Mit der besten Runde des Turniers hatte sich der 28-jährige Regensburger diese Ausnahmestellung erarbeitet.
Wasserstandsmeldung von Scottie Scheffler: nach Loch 6 lag er nur -1 , Schlagverlust. Wenige Löcher später holte er sich mit Birdie wieder einen Schlag zurück. Und noch eine Notiz. Der einzige Clubpro, der den Cut von den 20 angetretenen überstanden hat, war aus Ohio. Doch der hatte mit dem Ergebnis nichts zu tun.
Jon Rahm mischte in Runde 4 gleich von Anfang an richtig mit. Er begann mit einem Birdie: -5! Der baskische Stier nahm die Hörner runter und stürmt auf die Spitze zu.Loch 2 wieder Birdie, alleinige Spitze. Ebenso Rory McIlroy. Bereits am zweiten Loch 2 schloss er zur Gruppe der -4-Spieler auf. Alle Augen richten sich auf den letzten Flight, Matti Schmid und Alex Smalley. Schmid verzieht mit dem3er-Holz ins Rough. Smalley liegt auf dem Fairway. Dann liegen beide Mitte Grün, vier Meter zur Fahne, Smalley puttet in Regulation. Matti verschiebt, Bogey. Smalley erhöht an der 2 auf minus 6, Rahm stolpert bei seinem Sturmlauf, Bogey:minus 5. Ebenso wie Matti minus 5.
Plötzlich am sechsten Grün übernimmt Matti Schmid die Führung, denn Alex Smalley spielte einen Doppelbogey hinnehmen. Jon Rahm verschiebt das Par und fällt auf -4 zurück. Dann erneut ein Birdie und -5 für den Spanier. Das Leaderboard war sehr bewegt.Scottie Schefflergehen die Löcher aus, an der 16 liegt er auf-3. Nichts wird es mit seinerAufholjagd bei der 108. PGA Championship. Im Interview nach dem Turnier betonte er, dass er auf den Greens größte Probleme hatte und sein Putter die ganze Woche kalt blieb. Was er von den zum Teil unspielbaren Pinpositions hielt, hatte er schon während der Runden kund getan.
Am Beginn der letzten Neun dann ein vorentscheidender Führungswechsel. Der Engländer Aaron Rai geht nach vorn, Matti verliert einen Schlag. Rai wäre mit einem Sieg der erste Brite seit mehr als 100 Jahren als Sieger der PGA Championship.
Spielbahn 13 brachte Rory kein Glück: Bogey. Ebenso Aaron Rai, der Brite blieb an einer steilen Bunkerwand hängen, verlor an Länge und spielt dennoch ein Birdie: -7. Matti Schmid hingegen schaffte kein Birdie mehr, er freute sich, bei -5 zu bleiben. Erst auf Bahn 13 spielte er sein lang erwartetes Birdie. Alleiniger zweiter bei -6. Dabei hätte sich Schmid Aaron Rai an der 14 schnappen können. Mattis Putt blieb mit zehn Zentimeter auf der Linie um ein My zu kurz. Aaron Rai macht das Birdie, Matti Schmid spielt „nur“ das Par: zwei Schläge Rückstand für den Regensburger.
Aaron Rai macht Ernst, die Ehre der Engländer hochhalten zu wollen. An der 17 puttete er aus gefühlten 50 Meter quer übers Megagrün ein: -9 unter und drei Schläge Vorsprung. Matti Schmid und der Rest der Welt staunen.Jon Rahm erkämpfte den zweiten Platz mit -6 , Matti Schmid fiel zurück auf den geteilten vierten Platz. Selbst der lange führende Alex Smalley kämpfte sich mit einem Eagle wieder auf -6 und den geteilten zweiten Platz heran. Martin Kaymer und Stephan Jäger ergänzten das beste deutsche Turnierergebnis bei den Herren der letzten Jahre.
Nach dem letzten Putt, dem Siegputt, fielen sich Aaron und sein Caddie in die Arme. Aaron Rai ist ein junger Star aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater erkannte früh das Golftalent des kleinen Aaron und rief zu Spenden auf, um eine Golfausrüstung zu bekommen. Darunter ein bunter Mix an gebrauchten Schlägern und auch ein Paar Golfhandschuhe. Einmal spielte Aarons auswärts und hatte seine Golfhandschuhe nicht dabei. Aarons Vater musste rasch Ersatz besorgen, kaufte aber nur einen Golfhandschuh. Es kam wie es kommen musste: Mit nur einem Handschuh verlor Aaron. Seitdem müssen es immer zwei sein. Unnötig zu sagen, dass er auch in Aronimink zwei Handschuhe trug.

Text: Bernd Stegmaier
Titelbild: Foto Rolex

